Rainer Eppelmann erneut zu Beusch an der IGS Seevetal
Eine Teilnehmerin aus Jahrgang 12 berichtet von ihren Eindrücken:
Am 9. März hatten wir die Ehre, den gebürtigen Berliner und Zeitzeugen Rainer Eppelmann bei uns in der Schule begrüßen zu dürfen. Dieser hielt knapp 90 Minuten lang einen interessanten Vortrag über die deutsche Geschichte, die wir Schüler nur aus dem Geschichtsunterricht kennen, die Rainer Eppelmann jedoch miterlebt hat.
Herr Eppelmann berichtete uns aus seinem Leben, und wir Schüler der Oberstufe ließen uns mit auf die Zeitreise nehmen. Zum Schluss des Vortrages erhielten wir auch noch die Chance, selbst Fragen zu stellen.
Was aber berichtete Rainer Eppelmann und was hat er alles bereits in seinem Leben durchgemacht?
Der 1943 geborene Ostberliner besuchte bis zum Mauerbau ein Gymnasium in West-Berlin, da ihm in Ost-Berlin das Abitur nicht möglich war. Durch den Mauerbau jedoch konnte er die Schule nie mit dem Abschluss beenden, den er sich gewünscht hatte, und wurde so Maurer, statt seinen Traum vom Architekten ausleben zu können. So arbeitete er zunächst als Maurer, bis er eigentlich zum Wehrdienst hätte antreten sollen, dies aber verweigerte und so mit einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt wurde. Herr Eppelmann berichtete uns über seine Zeit in der Haft und wie diese strukturiert war. Die Verweigerung des Dienstes war der Beginn seiner öffentlichen Kritik an der Deutschen Demokratischen Republik.
Nach der Entlassung aus der Haft entschied er sich für einen neuen Lebensweg. Er fing an, evangelische Theologie zu studieren, und wurde daraufhin Gemeindepfarrer in Berlin. Dort hielt er einige Veranstaltungen mit der Kreisjugend, was der SED nicht gefiel und sie erstmals auf Herrn Eppelmann aufmerksam wurden. Dies war aber noch lange nicht das Ende: Er engagierte sich für einen Frieden ohne Waffen, wurde dafür jedoch von der Staatssicherheit festgenommen. Er war ein klarer Oppositioneller der DDR und ihrer Art zu regieren. Dies zeigte er auch, was ihm jedoch starke Probleme einbrachte. Die Stasi begann, ihn gezielt abzuhören, auch in seiner eigenen Wohnung.
Im Jahr 1989 war er Mitgründer der Partei Demokratischer Aufbruch, die mittels friedlicher Proteste gegen die SED demonstrierte. Die DA schloss sich später mit der CDU zusammen, wo Rainer Eppelmann auch bis 2005 Teil des Deutschen Bundestags war. Er wurde für sein Einsetzen für die Demokratie mit dem Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie" und mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Während des Erzählens stoppte er immer wieder, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass sich die Geschichte bloß nicht wiederholen dürfe und wir darauf aufpassen müssen, auf unsere Zukunft zu achten und diese zu sichern. Es sei unsere Verantwortung, und Herr Eppelmann könne nur an uns appellieren, dass wir für die Demokratie kämpfen werden.
Sein Vortrag hatte einen großen Effekt auf mich als Schülerin, und es ist mir nun noch wichtiger, mich für die Demokratie einzusetzen. Herr Eppelmann ist ein großartiger Erzähler und schafft es durch das Erzählen, uns Anstöße zum Mitdenken zu geben. Es war eine fantastische Chance, weiter in die Geschichte hineinzublicken mittels eines Zeitzeugen, und ich wünsche, dass auch viele weitere Schüler unserer Schule diese Möglichkeit haben werden. Ein großer Dank also an Herrn Eppelmann, dass er es uns möglich gemacht hat und den langen Weg bis zu uns auf sich genommen hat, trotz seines fortgeschrittenen Alters.